ukraine kinder

Glieb, 15 Jahre
»Vor 15 Monaten bin ich mit meinem Vater und einem Bruder aus Luhansk nach Kiew gekommen, aber meine Mutter und mein kleiner Bruder sind dort geblieben.
Mein Vater sagte, dass es besser wäre, wegzugehen und zuerst dachten wir nur an ein paar Monate, aber jetzt hat es sich so ergeben, dass wir nicht mehr zurückgegangen sind. Jeden Tag spreche ich über Skype mit meiner Mutter und sie sagt, dass es ihr gut geht und sie Angst hat, aus Luhansk fortzugehen, aber ich weiß nicht warum.
Ich bin also schon vor Kriegsbeginn nach Kiew gekommen und habe deshalb nicht viel selbst direkt vom Krieg mitbekommen. In Kiew besuche ich eine Schule, ich habe neben allen Fächern nun auch ukrainisch Unterricht. Ich versuche immer, schnell meine Hausaufgaben zu machen, da ich jeden Tag Tanztraining habe und außerdem einmal pro Woche noch Theatertraining.
Ich denke, dass ich hier inzwischen mehr Freunde habe als früher in Luhansk. Mit meinen alten Freunden aus Luhansk spreche ich nicht mehr, weil es mich nicht interessiert und wir nichts mehr gemeinsam haben. Zuerst war der Kontakt zu meinen alten Freunden noch o.k., aber jetzt interessiert es mich wirklich nicht mehr.
Natürlich spreche ich aber noch mit meiner Mutter in Luhansk. Ich weiß nicht, was mich richtig glücklich macht und ich habe vor nichts Angst. Anfangs hatte ich Angst, dass ich nicht mehr zurückgehen kann, aber jetzt nicht mehr.
Trotzdem vermisse ich Luhansk, wo ich zur Schule gegangen bin und viel Zeit verbracht habe. Und mir fehlen meine alten Tanztrainer. Ich spreche in sozialen Netzwerken mit ihnen und sie machen dort immer noch weiter mit dem Training und mit Wettbewerben, obwohl viel weniger Kinder mitmachen, weil viele fortgegangen sind.
Ich habe oft einen bestimmten Traum: Ich träume, dass ich mit einem Schulfreund, der mit mir nach Kiew gekommen ist, Fallschirm springe und wir dann fliegen. Das ist alles.
Beruflich möchte ich gerne als Choreograf oder Theatertrainer arbeiten, deswegen tanze ich auch schon seit vier Jahren und zuvor habe ich Akrobatik gemacht.«

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